Selbstständig
Als berufstätige Mutter von zwei Kindern war ich immer stolz darauf, dass meine Sprösslinge so selbstständig sind. Ich konnte mich immer auf sie verlassen.
Vor einigen Jahren arbeitete ich stundenweise in einem Geschäft und wurde als Aushilfe besonders gerne für die Samstage eingeteilt. Da ich erst am Nachmittag nach Hause kommen würde, kochte ich bereits am Vorabend eine Kartoffelsuppe und erklärte den Kindern, dass diese nur noch aufgewärmt werden müsse. Mit dem Herd kannten sie sich aus, denn das hatten sie schon oft gemacht.
Während der Arbeit tauschte ich mich mit einer jungen Kollegin aus. Wir unterhielten uns darüber, wie sich die Samstagsschichten auf unsere Familien auswirkten. Ihr Mann mochte es gar nicht, wenn sie am Wochenende arbeitete. Er konnte nicht kochen und es fiel ihm sehr schwer etwas Essbares auf den Tisch zu bringen, wenn er allein mit den Kindern zu Hause blieb. Ich dagegen erzählte ihr stolz, wie wunderbar sich meine Kinder schon selbst kleine Gerichte zubereiten konnten. Doch die Suppe für heute war bereits zubereitet und bräuchte nur noch auf dem Herd aufgewärmt werden.
Zu Hause angekommen, sah ich die vollen Suppenteller in der Küche stehen. “Habt ihr denn keinen Hunger gehabt?”, fragte ich besorgt. “Doch, aber die Suppe schmeckt fürchterlich nach Zigaretten” bekam ich zur Antwort. “Zigaretten?”
Sie sah immer noch so lecker aus wie am Vorabend. Als ich mit der Kelle im Topf rührte, roch es merkwürdig rauchig. Eines war klar: Mit dieser Suppe stimmte etwas nicht. Gestern noch in Ordnung, schien sie heute ungenießbar. Ich machte mir Gedanken, doch ich hatte keine Erklärung. Also schritt ich zur Vollstreckung und kippte den rätselhaften Inhalt komplett aus. Und wie sich der Topf allmählich leerte, gab er auch schon sein Geheimnis preis: Der Boden war dick angebrannt. (ilk)