Sauber bleiben

    Ein Freund unserer Tochter quartierte sich gleich für mehrere Tage bei uns ein. Mit dabei sein größtes Heiligtum ‐ ein Computer der neuesten Generation, mit einer Leistung, die ausreichte bei winterlichen ‐10°C das Zimmer auf Kuschelwärme zu heizen. Die Tastatur glich einer Entwicklung aus einem Weltraum‐Projekt und die Maus erkannte ich erst gar nicht als solche. Mit diesem Computer könnte man vermutlich die gesamte Welt retten. Aber nein, er diente einzig und allein zum Spielen.

    Als ich wieder einmal im Zimmer war, um alles schmutzige Geschirr einzusammeln, streifte mein Blick den Monitor der hyper-modernen Game-Maschine. Wahrscheinlich stand ich mit offenem Mund da, denn ehrlich gesagt, war ich fasziniert. Die Kampfszenen, in denen auf flüchtende Menschen geschossen wurde, waren so realistisch, dass ich glaubte, wie durch ein Fenster zu schauen.

    Für einen Moment vergaß ich, was in dem Spiel vor sich ging, weil mich die Qualität einfach nur überwältigte. Aber die Kinnlade klappte mir herunter, als ich sah, wie sich unser Gast während des Spiels mit einem Löffel in Würfel geschnittene Schokolade in den Mund schob. Meinen fragenden Blick bemerkte unsere Tochter und erklärte nur: „Er darf sich die Finger nicht schmutzig machen, denn die Tastatur muss sauber bleiben“. (ilk)