Neue Menschen
Für uns alle begann ein neuer Lebensabschnitt. Der große Sohn war aus dem Haus um mit jungen Jahren eine Familie zu gründen. Unsere Tochter, fast 13, hatte in diesem schwierigen Alter Probleme sich nach unserem Umzug in der neuen Umgebung heimisch zu fühlen.
Die anstrengenden Jahren der Pandemie waren vorbei. Plötzlich gab es für uns alle Ruhe und Zeit im Übermaß. Eine neue Aufgabe würde uns gut tun. So entschlossen wir uns möglichst bald ein kleines Mädchen zu adoptieren.
Die Kleine war goldig. Sie bestaunte uns anfangs neugierig mit großen Kinderaugen sobald sie uns wahrnahm. Die Vertrautheit und die Liebe wuchsen schnell. Aus Vertrautheit wurde Vertrauen. Wir taten alles damit es ihr gut ging und fühlten uns dabei glücklich und beschwingt, wie neue Menschen.
Im Handumdrehen gehörte die Kleine bereits seit anderthalb Jahren zur Familie. So viele schöne Erfahrungen.
Weil das Glück wächst wenn man es teilt, entschlossen wir uns zu einer weiteren Adoption.
Unsere zweite Adoptivtochter kam aus einem schwierigen Umfeld. Unberechenbare Menschen hatten sie ängstlich und scheu gemacht. Durch mangelhafte Ernährung war sie klein und schwach. Also kümmerten wir uns besonders fürsorglich sie. Trotzdem wäre sie nach nur wenigen Tagen in unserer Familie fast an einer schweren Infektion gestorben. Die Ärzte machten uns wenig Hoffnung. Die Kleine stand unter ständiger Beobachtung und einer von uns war immer in ihrer Nähe. Mit großen Augen sah sie uns an, wenn wir ihr ihre ungeliebte Medizin gaben. Schlaflose Tage des Bangens. – Nach einer unruhigen Woche voller Sorgen wurde es langsam besser und wir wussten dass sie es schaffen würde. Was für ein Start in ihr neues Leben.
Die Kleinste und ihre etwas größere Schwester wurden schnell unzertrennlich. Braune Augen haben beide. Die jüngere Schwester blickt damit hellwach und manchmal mit scheinbarer Empörung, wenn etwas nicht so läuft wie sie es sich vorgestellt hat. Ein typischer Blick der Großen ist aus dem Augenwinkel zu uns hinauf, oft mit einem leichten Lächeln. Wir lächeln glücklich über beide.
Zwei sehr unterschiedliche Charaktere die sich auch äußerlich sehr unterscheiden. Die Große ist schlank, fast zierlich mit hellbraunem Haar. Ein Reh am Waldesrand. Sie ist ruhig und gelassen, ganz die freundliche Herrin der Situation. Unsere Kleinste ist schwarzhaarig und kräftig ohne dick zu sein. Eine unruhige Sprinterin vor dem Start. Sie ist voller Kraft und Energie aber einen Rest Ängstlichkeit wird sie wohl für immer im Herzen tragen.
Inzwischen sind beide Mädels seit Jahren bei uns und werden sich trotz der genannten Gegensätze immer ähnlicher. Das soll ja auch bei lange verheirateten Ehepaaren so sein. Warum also nicht auch ihnen?
Hunde sind eben auch nur Menschen. (mk)