Nächtliche Verfolgungsjagd

    Passend zum neuen Bußgeldkatalog, der Verkehrssündern seit diesem Monat deutlich tiefer ins Portemonnaie greift, erinnere ich mich an eine Geschichte, die mir ein Freund meines Schwiegervaters kürzlich auf einer Geburtstagsfeier erzählte.

    Dieser Freund arbeitet seit vielen Jahren als Pfleger in einer großen Klinik, das bedeutet für ihn natürlich, rund um die Uhr zu arbeiten ‐ Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht, Wochenende. Nach Feierabend wartet auf ihn sein Häuschen, einige Kilometer entfernt von der Klinik ‐ ein Stück einsame Landstraße im nördlichsten Brandenburg und dann quer durch einen Wald.

    Endlich Dienstschluss. Es ist in der Nacht an einem Wochenende. Müde und erschöpft steigt er in seinen roten Kleinwagen und freut sich auf sein Bett zu Hause. Die Straßen sind leergefegt, wie so oft ist kein anderer Autofahrer zu dieser Stunde unterwegs. Doch plötzlich tauchen zwei Scheinwerfer hinter ihm auf. Das Fahrzeug bleibt konsequent hinter ihm. Nun wird er munter, denn er erinnert sich an dubiose Überfälle, von denen man manchmal in der Zeitung liest. So tritt er auf das Gaspedal, möchte sich vergewissern, dass der Fahrer hinter ihm kein Interesse an ihm hat. Doch auch das Fahrzeug hinter ihm beschleunigt und scheint ihn nicht aus den Augen zu lassen. Sein Herz schlägt immer schneller, er wird nervös. Was interessiert mich jetzt noch das Tempolimit, nur schnell weg ‐ denkt er sich. Plötzlich setzt der Verfolger zum Überholen an, die Spannung ist unerträglich, Angst macht sich breit. Und wie das Fahrzeug an ihm vorbeizieht und ihn zum Anhalten drängt, sieht er, dass es sich um einen Streifenwagen der Polizei handelt. Riesige Erleichterung. “Guten Abend. Sie sind zu schnell gefahren, haben das Tempolimit deutlich überschritten! Fahrzeugpapiere und Führerschein bitte!” (ilk)