Moderne Technik

    Der Herd ist das Zentrum unserer Küche. Er entspricht dem Standard, obwohl das Geld nicht für Luxus reicht. Beheizt wird er mit Holz und ist weiß emailliert. Vorne hat der Gute eine Klappe zum Backrohr. Auf seiner schmiedeeisernen Herdplatte ist genug Platz für vier Töpfe, was bestens für eine vierköpfige Familie passt. Oder man stellt einfach den riesigen Einkochtopf für Marmelade drauf.

    Das Zentrum des Wohnzimmers ist seit wenigen Monaten unser erster Fernseher. Ein Kasten, fast ein Würfel, aus braunem Sperrholz mit Furnier und goldfarbener Verzierung. In einem amerikanischen Film mit Doris Day und anderen Stars haben wir darin gesehen, wie quadratisches Toastbrot zum Frühstück gegessen wurde. Obwohl wir es nur in Schwarzweiß sehen konnten, war es offenbar sehr lecker, denn die Darsteller aßen es, obwohl eine dicke Schicht fettige Erdnussbutter darauf war. So wurde für uns Toastbrot modern.

    Wir machten unsere ersten Scheiben Toast aus Graubrot direkt auf den Platten des Küchenherdes. Das Brot musste lange auf dem Eisen liegen bis es braun wurde. Sobald es soweit war, haben wir die Scheiben mit spitzen Fingern umgedreht. Schließlich war unser Toast braun, trocken und hart aber sehr lecker. Damit das Wunder passierte, durfte man die Scheiben nie aus dem Blick lassen. Für meine große Schwester und mich war es ein neues, abenteuerliches und exotisches Essen. Meine Eltern beschlossen folgerichtig und zur allgemeinen Freude, unseren ersten Toaster anzuschaffen.

    Da ist er nun, er wird mit Strom beheizt und besteht aus Edelstahl und schwarzem Plastik in einem modernen und schicken Design. Auf jeder Seite hat das tolle Gerät einen Flügel mit einem isolierten Plastikgriff. Das Brot wird getoastet indem man die Flügel aufklappt und die Scheiben hineinlegt. Beim Schließen wird das Brot dann sehr nah an die zentralen Heizspiralen gedrückt. Leider ist für unser Graubrot zu wenig Platz. Wir müssen es also zuschneiden. Das labberige und teure Toastbrot aus dem Laden haben wir einmal probiert. Es passt perfekt in den Toaster, aber das ist auch schon alles. Das geschmacklose bleiche Zeug kommt uns nicht nochmal ins Haus.

    Die Sache mit dem ständigen Aufpassen und dem Wenden mit spitzen Fingern ist übrigens gleich geblieben. So steht das Gerät beim Abendessen auf dem gedeckten Esstisch und wir beobachten es und warten auf den optimalen Moment. 

    Mal sehen wann es einen Toaster geben wird, der sich automatisch ausschaltet und selbst die Scheiben wendet. Die moderne Technik wird es sicher bald möglich machen. (mk)