Kleine, heile Welt

    Was wären wir Menschen ohne unsere treuen Weggefährten, unsere Haus‐ und Hoftiere? Wer Tiere liebt und sich gerne um sie kümmert, wird mit Zuneigung und Vertrauen belohnt. Und so investiert man gerne in die kleinen Geschöpfe.

    Ein guter Bekannter, der bereits viel erlebt hat und häufig von Menschen enttäuscht wurde, die sich gerade in den Jahren nach dem Mauerfall so sehr verändert haben, lebt in einem abgelegenen Haus mit großem Garten. Dorthin zieht er sich oft zurück, genießt die Ruhe und die kleine, heile Welt, die sich hier erhalten hat. Mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet er das Vogelnest und die Jungen, wie sie ihre Schnäbel aufreißen, wenn sie hungrig sind. Auch ein kleiner Waschbär gehört zu den regelmäßigen Besuchern. Seine Runde über den Hof führt zu einer Schüssel, die gelegentlich einen Happen für ihn bereithält. Tiere sind willkommene Gäste und längst wissen sie das auch und genießen die Gastfreundschaft in diesem Garten.

    Stolz erzählt er uns von einer Mäusefamilie, die ihr Nest in der Nähe seiner Terrasse gebaut hat. Doch der Platz schien ihm nicht sicher genug, also verlegte er das Nest vorsichtig direkt neben die Laube und freute sich, als die Mäusemutter den Umzug akzeptierte und sich seitdem weiter um ihre Jungen kümmert.

    Er liebt alle diese Tiere, die doch so viel besser und fairer miteinander umgehen, als die Menschen, die ihn doch immer nur enttäuscht haben.

    Sorgen macht ihm nur ein Kater aus der Nachbarschaft, der die traute Harmonie beobachtet und gelegentlich stört. Als er ihn einmal gerade noch rechtzeitig verjagen konnte, ist er regelrecht empört über das unerhörte Interesse des Stubentigers.

    Doch völlig am Boden zerstört ist unser Tierfreund, als er seinen geliebten Waschbären dabei ertappt, wie er das soeben geplünderte Vogelnest verlässt. (ilk)