Handy‐Feind Handy‐Freund

    Werden Eltern schnell nervös, wenn sie in der Zeitung Artikel über verschuldete Jugendliche lesen, die den Überblick über ihre Handykosten verloren haben, lässt es uns kalt. Wir haben das große Glück, dass unsere beiden sich wenig, besser gesagt gar nichts aus Handys machen. Mit ihren Freunden telefonieren sie über das Festnetz, und seit dem sie das Internet für sich entdeckt haben, stundenlang kostenlos über Skype. Vor einigen Jahren haben wir unsere Kinder mit einem Mobiltelefon ausgestattet, damit sie uns jederzeit erreichen können, und natürlich auch umgekehrt ‐ sozusagen für die Sicherheit und ein gutes Gefühl. Planten sie mit ihren Freunden eine Tour nach Berlin, waren wir diejenigen, die immer an das Handy erinnern mussten. Meist lag das Ding eingestaubt und mit leerem Akku im Regal.

    Doch vor wenigen Wochen ereilte uns die Nachricht unserer Tochter, sie wünsche sich ein neues Handy. Waren ihre Ansprüche bisher auch nicht sehr groß, suchten wir ein modernes Gerät einer zuverlässigen Marke aus, das unserer Ansicht nach auch sehr gut aussah. Wir selbst waren von diesem Mobilteil so begeistert, dass wir ein Leuchten in den Augen hatten, als wir es ihr vorschlugen. Unsere Tochter selbst würdigte unsere Wahl nur mit einem kurzen Blick und willigte ziemlich leidenschaftslos ein. Wir hatten fast ein schlechtes Gewissen, dass unser Angebot nicht gut genug wäre.

    Der Tag kam und das Paket traf ein. Und dann kam alles ganz anders. Kaum hielt sie ihr neues Telefon in den Händen, war sie in ihrem Zimmer verschwunden. Das einzige Lebenszeichen für die nächsten Stunden war ein ständig wechselnder Klingelton in allen Lautstärken, ein Fiepen, Summen, Brummen. In den darauffolgenden Tagen erschien sie nur in Begleitung ihres neuen Schatzes zum Essen und ließ es nicht mehr aus den Augen. Dass ihr das Telefon gefällt, ist nicht zu übersehen, aber sollten wir uns jetzt Sorgen machen? (ilk)