Großzügig getauft
Auch dieses Jahr verbrachten wir unseren Urlaub in Österreich. Besonders schätzten wir die Wanderungen in den Bergen, die Ausflüge auf Almen, das gute Essen, die tiefen Wälder und die Gastfreundschaft der Menschen.
Jeden Tag am kristallklaren See, ließen wir die Zeit verstreichen und fühlten uns so richtig gut dabei. Die Sonne ließ sich nicht lumpen und schien jeden Tag unerbitterlich. Doch wir Eltern, immer um die Bildung und Entwicklung unserer Kinder bemüht, schlugen zur Abwechslung einen Ausflug nach Salzburg vor. Die Aussicht auf einen Einkaufsbummel, der in einer solchen Stadt natürlich nicht fehlen darf, stimmte die Kinder freudig und sie willigten sogar auch ein, ein wenig Kultur, Mozart, Kirchen etc. über sich ergehen zu lassen.
Zwei Stunden schlenderten wir nun schon durch die wunderschöne Altstadt. Und es gab immer noch mehr zu entdecken. “Den Dom müssen wir uns unbedingt noch ansehen, danach machen wir eine Pause und schleckern ein Eis” beruhigte ich die beiden, die schon sichtlich keine Lust mehr hatten.
Die Mittagshitze stand unserem Sohn ins Gesicht geschrieben, als wir versuchten an den Leuten vorbei in den Dom zu gelangen. Doch schon bald verlor ich ihn aus den Augen, denn irgendein Kulturereignis lockte ausgerechnet an diesem Tag Massen von Menschen an. Dicht an dicht drängelten sich die Besucher im Vorraum. Es ging weder vorwärts noch zurück.
Auf Zehenspitzen schaute ich mich um, und entdeckte ihn endlich direkt am Eingang neben dem Weihwasserbecken. Mit beiden Händen tief ins Becken getaucht, spülte er sich großzügig sein Gesicht ab. Ein Stich fuhr mir durch die Glieder, wie ich die Blicke einiger alter Damen sah. Unser Sohn, sichtlich erfrischt von dem kühlen Nass, schaute strahlend auf, als ihn ein breites Lächeln eines jungen Pfarrers traf, der diese Situation ebenfalls aus nächster Nähe beobachtet hatte. (ilk)