Glücklich ist …
Die aktuelle Diskussion um Volksentscheide als Instrument der Demokratie zur Mitbestimmung aller Bürger erinnert mich an das letzte Volksbegehren, bei dem auch ich mit meiner Unterschrift meinen Standpunkt bekundet habe.
Februar 2009: Das Volksbegehren gegen die Erschließung neuer Tagebauabschnitte in Brandenburg soll den Erhalt von Regionen, Orten und Siedlungen sichern. Vor 25 Jahren wurde ich schon einmal mit diesem Thema konfrontiert. Meine Berufsschullehrerin musste Haus und Hof verlassen, weil ihr Ort dem Braunkohlentagebau geopfert wurde. Damals hat man darüber nicht viele Worte verloren, doch uns Schüler hat das Schicksal unserer Lehrerin berührt und nachdenklich gemacht. Niemand konnte etwas dagegen tun.
Aber heute ist alles ganz anders. Wir leben in einer Demokratie, dürfen mitentscheiden. Für meinen Mann und unsere Kinder stand fest: wir machen mit. Es war bereits der letzte mögliche Tag, an dem man seine Unterschrift abgeben konnte. Als wir stolz im Einwohnermeldeamt nach den Listen fragten, staunten wir nicht schlecht über die vielen Unterschriften. “Heute Vormittag haben sich schon 27 Leute eingetragen? Das ist ja wunderbar!” freute ich mich. “Nein”, sagte die Mitarbeiterin “die 27 Stimmen sind nicht von heute. Das sind alle Stimmen, die wir insgesamt sammeln konnten.”
In Brandenburg hatten sich 25.000 Menschen an dem Volksentscheid beteiligt, 80 000 Unterschriften wären nötig gewesen. Nur 1,2 Prozent der 2,13 Millionen Wahlberechtigten. In derselben Woche lockte ein Lotto-Jackpot mit einer Gewinnsumme von 28 Millionen Euro Hunderttausende in die Lotto‐Annahmestellen. Er wurde geknackt, als die Summe auf 35 Millionen angewachsen war. Welch ein Glück für den Gewinner. Doch wie schwer wiegt das Glück, wenn man in seinem Haus und in seinem Ort bleiben darf? (ilk)