Ein dickes Ding
Müde vom Tag lümmeln wir auf dem Sofa herum und schauen jeder für sich, was es Neues auf dem Smartphone zu entdecken gibt. “Schau dir das mal an. Ist das vielleicht ein dicker Kater.”
Als unsere Kater bei uns eingezogen sind, haben wir eine Kamera auf der Terrasse installiert, damit wir per App benachrichtigt werden, wenn einer der beiden Jungs vor der Tür steht und Einlass begehrt. So wissen wir auch, wenn fremde Kater ihre nächtlichen Streifzüge bis in unseren Garten ausdehnen. Mittlerweile kennen wir sie ganz gut. Am Anfang waren es zwei rote Kater – immer im Doppelpack. Das waren kleine Krawallbrüder, die sich gerne mit unserem kleinen Leo anlegten, wenn sie ihn erwischten. Seit ein paar Wochen beobachten wir einen gestreiften Tiger mit weißen Pfoten.
An Abenden wie diesen klicken wir uns durch die Chronik der Aufnahmen und freuen uns, Leo und Sammy dabei zu beobachten, wie sie die milden Nächte genießen, sich gegenseitig jagen oder aufgeregt auf das Fensterbrett springen, um zu sehen, warum niemand die Tür öffnet.
Neugierig lehne ich mich rüber und schaue auf das Display. Haben wir einen neuen nächtlichen Besucher? In der Tat. Ein rundlicher Körper mit dichtem Fell wälzt sich über die Terrasse, streift das Sofa, bleibt vor der Terrassentür stehen und schaut kurz hinein. Was für ein ungetümer Gesell, so dick und behäbig.
Nein. Das ist keine Katze. Das ist ein Waschbär!
Noch einmal starten wir die Aufnahme und erkennen, dass er aus dem Baumhaus klettert. Da es schon dämmert, muss er die Nacht dort verbracht haben! Oh nein! Wir sind schockiert, denn so kuschelig der Waschbär auch aussieht, er ist eine Gefahr für unsere beiden Streuner, die ihr Revier auf Leben und Tod verteidigen – wie es sich für anständige Kater gehört.
In diesem Moment geht der kleine Scheinwerfer der Kamera an und die App meldet Bewegung auf der Terrasse. Tier erkannt.
“Ah, Leo oder Sammy ist gekommen und möchte rein. Gehst du bitte zur Tür?” Hm, aber die beiden sind doch schon im Haus. Wer kann das sein? Ich schaue zum Fenster und kann nicht glauben, was ich sehe. Langsam wie ein Koala klettert der dicke Waschbär den knorrigen Stamm des alten Haselnussbaumes hinauf, rollt sich im Baumhaus zusammen und schaut mit seiner hübsch gestreiften Schnauze direkt zu uns ins Wohnzimmer. (ilk)