Absurd

    Wie teilen wir uns anderen mit? Welche Medien benutzen wir um uns zu informieren? Da hat sich in wenigen Jahren viel verändert. 
    Generell hat Sprache viel mit einer Kulturpflanze gemein. Wenn man sich fürsorglich mit ihr beschäftigt, gedeiht sie prächtig, ohne Pflege leidet sie und verkümmert.

    Digitale Kommunikation funktioniert schnell und einfach. Das Verfassen einer Nachricht passiert oft nebenbei. Ein persönliches Gespräch, gemeinsame Unternehmungen oder auch nur das gemeinsame Abhängen sind ersetzt worden. Es wird blitzschnell und auf Distanz kommuniziert. Kurze Nachrichten ohne Rücksicht auf Rechtschreibung und Zeichensetzung. Im Gegenteil, wer sich an die Regeln hält, grenzt sich dadurch aus. Der Wortschatz schrumpft wie die Muskeln eines Bettlägerigen.
    Bücher?! Kurze Videos mit schnellem Gerede und schnellen Schnitten anstelle von geschriebenen Geschichten. Keine individuellen Bilder die im Kopf entstehen. Wir werden zugeballert mit einem Feuerwerk belangloser Bilder. Für alle das gleiche monotone Fast Food.

    Erzählungen in mehreren Bänden sind zu anstrengend geworden. Besser „Der Herr der Ringe“ als Cartoon in tausend Häppchen. Der Abschied von einer Geschichte mit Zusammenhang, die uns auf eine Reise mitnimmt und immer wieder neugierig macht. Neugierig auf das, was als nächstes kommt und wohin der Weg danach wohl führten mag. 
    Nun werden Videos von Influencern konsumiert. Das inszenierte alltägliche Leben von selbsternannten Trendsettern. Fürsorglich aufgepeppt mit Hinweisen auf Produkte, die man unbedingt haben sollte um beliebt zu sein. Natürlich wird nur mit einem Auge geschaut. Das andere Auge wird für Textnachrichten gebraucht.

    Heinz Erhardt und seine Wortspiele hätten heute keine Chance mehr. Nur die ganz Alten verstehen noch Hintergründigkeit. Wo wir schon wehmütig in die Vergangenheit schauen: In meiner Jugend gab es den Spruch „Absurd ist es, wenn ein Oberkellner am Unterarm ein Überbein hat“. Ein für damalige Verhältnisse cooles Wortspiel.
    Etwas cool zu finden ist neuerdings immer weniger angesagt. Stattdessen ist das Wort „absurd“ wieder aufgetaucht. Es ist nun vielfältig einsetzbar. Wer dazu gehören will benutzt es anstelle von „cool“ oder von „sehr“. Vorsicht! Keinesfalls sollte man „absurd“ verwenden wenn man es in seinem ursprünglichen Sinn meint!

    Uncool und absurd, irgendwie. (mk)